Wir bieten Mitarbeitern die Elternschicht an

Die IWB Industrietechnik Gotha führt als eines der ersten Unternehmen in der Region eine Elternschicht ein.

Was tun, wenn zu Hause die Ehefrau schwer erkrankt liegt, Kinder der Betreuung bedürfen? Die Arbeit aufgeben? – Die IWB Industrietechnik GmbH hat eine Lösung gefunden. Als eines der ersten Unternehmen in der Region bietet der Betrieb seinen Mitarbeitern eine Elternschicht an.

Mutterschicht gebe es schon, Elternschicht sei neu, stellen Ina Benda und Mario Greiner von der Agentur für Arbeit Gotha bei einem Besuch der Firma im Gewerbegebiet Gotha Luftschiffhafen anerkennend fest. Sie wünschten sich, dass das Modell Schule macht. Mittelfristig müssten sich dem noch mehr Unternehmen öffnen, um gut ausgebildete Kollegen an sich binden zu können.

Anstoß für dieses Neudenken bei IWB hat Ralf Fischer gegeben. Der 60-Jährige ist dort seit sieben Jahren beschäftigt. Lange Zeit hat er dort an einer großen Maschine in zwei Schichten gearbeitet. „Bei uns zu Hause wird das Modell Familie gepflegt“, sagt er. Einschließlich Enkel zählen dazu vier Kinder. Dieses Jahr hatte seine Frau einen Unfall. Ehemann Ralf war gefordert. „Alles blieb an mir hängen.“ – Einschließlich Pflege der Gattin. Er suchte das Gespräch mit seinem Arbeitgeber. „Wir haben uns geeinigt, dass meine Arbeitszeit von 40 auf 32 Stunden reduziert wird und ich nicht mehr in Schichten arbeite.“ Fischer hat jetzt eine Vier-Tage-Arbeitswoche. „Damit bekomme ich viel mehr Dinge auf die Reihe.“ Er verdient allerdings auch weniger. „Ich verzichte auf 20 Prozent meines Gehaltes, weil ich 20 Prozent weniger arbeite.“ Doch das können und wollen er und seine Familie verschmerzen. „Von dem Mehr an Zeit profitieren alle in meinem familiären Umfeld“, stellt er fest.

Die Kollegen seien darüber, wie er Familie und Arbeit unter einen Hut bekomme, erstaunt, aber nicht neidisch. Er sei nicht der Erste bei IWB, der dieses Modell gewählt habe, aber einer der ersten älteren Männer.

Entgegen kommt Ralf Fischer jetzt, dass er nun an einer kleineren Maschine beschäftigt ist und die einen Sonderstatus besitze. Sie sei vielseitig einsetzbar. Fischerist es auch. „Ich passe überall hin“, sagt der gelernte Werkzeugmacher und heutige CNC-Fräser.

Teilzeitlösung für Mitarbeiter bei IWB heißt für die Kollegen eine 32- statt 40-Stunden-Woche. „Vor etwa einem Vierteljahr haben wir uns dazu entschlossen, die Elternschicht einzuführen“, sagt Ralf-Peter Kroschel, der seit 2000 das Unternehmen leitet. Es trage auch dem Fachkräftemangel Rechnung. „Als die häuslichen Probleme bei den Fischers akut wurden, haben wir uns dazu entschlossen“. In der Vergangenheit habe es auch bei anderen männlichen Kollegen ähnlich gelagerte Schwierigkeiten gegeben. Mal ging es darum, am Morgen die Kinder in den Kindergarten zu bringen oder es standen regelmäßige Arztbesuche an. „Da müssen wir Möglichkeiten finden, das einzuräumen.“

Bei IWB ist der Acht-Stunden-Tag im Schichtmodell Usus. Die Elternschicht und die damit einhergehende Arbeitszeitverkürzung wie im Fall von Fischer eröffne die Chance, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Die Kollegen kommen zu Zeiten, an denen sie ihr Tagwerk besser realisieren können. Zum Beispiel auch samstags, um die Fehlzeiten auszugleichen.

Der Produktionsablauf werde davon nicht beeinträchtigt. „Es geht eben“, bemerkt Kroschel kurz und klar. Das verlange aber Flexibilität von allen – von den Kollegen und der Firmenleitung. „Das ist der Punkt.“

 

Quelle: Thüringer Allgemeine vom 02. Oktober 2018, Wieland Fischer


Geschrieben am 16.10.2018 von IWB Admin ...